Die nasse Jahreszeit. Pferdepflege von Herbst bis Frühjahr.
Ab Ende September ändert sich die Pflege im Stall grundlegend. Nicht, weil plötzlich mehr zu tun wäre – sondern weil sich die Reihenfolge umdreht. Im Sommer putzt man Staub weg. Im Winter arbeitet man gegen Feuchtigkeit, und Feuchtigkeit verzeiht keine Abkürzung.
Dieser Leitfaden geht die vier Bereiche durch, die zwischen Oktober und März Arbeit machen: Huf, Fell, Langhaar und Haut. Mit dem, was hilft – und mit dem, was man sich sparen kann.
Der Huf steht zuerst
Hornsubstanz nimmt Wasser auf. Ein Pferd, das den halben Tag auf einem matschigen Paddock steht, hat abends weicheres Horn als morgens – das ist keine Krankheit, sondern Physik. Problematisch wird es erst, wenn zwischen den nassen Phasen nie eine trockene liegt.
Daraus folgt der wichtigste Handgriff der ganzen Saison: trocken putzen statt abspritzen. Der Wasserschlauch bringt genau das in den Huf, was man loswerden will. Eine Bürste mit Bronzeborsten löst angetrockneten Matsch und festgesetzte Einstreu auch ohne Wasser – sie braucht dafür zehn Sekunden länger und spart dem Huf Stunden.

Werkzeug dafür: die Hufbürste für die Fläche, die schmalere Strahlbürste für die Furchen, der Hufauskratzer für alles, was sich festgesetzt hat. Bronzeborsten in der Mitte für den groben Schmutz, feine Rosshaarborsten außen, damit der Kronrand nichts abbekommt.
Danach, nicht davor, kommt die Pflege. Ein Huf-Serum mit Hyaluron zieht in das gereinigte Horn ein, statt es wie klassisches Huffett unter einer Fettschicht zu verschließen – der Austausch mit der Umgebung bleibt möglich. Ehrlich dazu: Das Ergebnis sieht man nicht nach dem ersten Auftrag, sondern erst am nachwachsenden Horn. Wer nach zwei Wochen einen Unterschied erwartet, wird enttäuscht.
Strahlfurchen: die Stelle, die im Winter Arbeit macht
Die tiefen Furchen neben dem Strahl sind die Stelle, an der sich Einstreu, Mist und Nässe halten und schlecht wieder herauskommen. Sie gehören täglich ausgeräumt – trocken, mit einer Bürste, die schmal genug dafür ist.
Anschließend lässt sich ein Strahl-Serum punktgenau mit der Dosierspitze auftragen. Es trocknet feuchte Hornstellen ab und legt einen Schellack-Film darüber, der Nässe und Einstreu fernhält, ohne das Weichhorn zu verhärten. Zwei ehrliche Hinweise: Der Geruch nach Lavendel, Thymian und Propolis ist intensiv und bleibt an den Händen. Und 100 ml sind bei täglicher Anwendung an vier Hufen schnell aufgebraucht.
Wenn sich Geruch, Farbe oder Konsistenz im Strahl deutlich verändern, ist das kein Pflegethema mehr. Dann gehört der Huf in die Hände des Hufschmieds oder des Tierarztes – kein Pflegeprodukt ersetzt diesen Blick.
Fell: erst grob, dann fein
Im Winterfell sitzt der Schmutz tiefer. Die Reihenfolge ist deshalb dieselbe wie beim Huf: erst das Grobe, dann das Feine.

Die Wurzelbürste mit Kokosfaser-Borsten holt getrockneten Matsch heraus und nimmt bei Schimmeln auch Gelbfärbungen und Liegestellen mit. Sie ist fest – an Bauch, Flanke und Innenschenkel ist sie bei dünnhäutigen Pferden zu kräftig. Dort und für den Feinschliff übernimmt die Glanzbürste aus Rosshaar und Nylon.
Was Sie sich sparen können: Shampoo. Ein Pferd im Winterfell trocknet nach dem Waschen stundenlang nicht durch, und ein feuchtes Fell kühlt schneller aus als ein schmutziges. Zwei Bürsten und fünf Minuten sind in dieser Jahreszeit die bessere Lösung.
Langhaar: weniger ist mehr
Mähne und Schweif verfilzen im Winter schneller, weil sie nässer sind und stärker beansprucht werden. Jedes ausgerissene Haar wächst monatelang nach – die Versuchung, mit einem Metallkamm durchzuziehen, ist deshalb die teuerste Abkürzung im ganzen Putzkasten.

Ein Fell- und Mähnenspray legt einen glättenden Film um das Haar, sodass der Kamm ohne Ziehen durchläuft. Die doppelseitige Mähnenbürste arbeitet auf der einen Seite mit Kokosborsten, auf der anderen mit einem Kamm aus Holznoppen auf einem Luftkissen: Stößt er auf einen Knoten, gibt das Kissen nach, statt das Haar auszureißen.
Ehrlich: Das Spray enthält Dimethicon, also Silikon. Für die tägliche Pflege ist das genau richtig – vor dem Einflechten am Turniertag lassen Sie es besser weg, sonst rutschen die Gummis aus den Zöpfen.
Haut: die Stellen, die dauernd nass sind
Fesselbeuge, Mähnenkamm und Schweifrübe sind die Partien, die im Winter selten richtig abtrocknen. Pflege heißt hier vor allem: sauber und so trocken wie möglich halten, und die Haut nicht zusätzlich reizen.
Bei der Produktwahl entscheidet die Konsistenz, nicht der Inhalt. Ein wässriges Sprühgel wie das Silberspray lässt sich flächig auftragen, ohne die Stelle zu berühren – praktisch bei empfindlichen Pferden, aber es läuft an senkrechten Flächen ab, bevor es antrocknet. Die reichhaltigere Silbercreme bleibt dort liegen, wo ein Gel herunterläuft. Für die Fesselbeuge ist deshalb die Creme die richtige Form, für größere Partien das Spray.
Und auch hier gilt die Grenze: Veränderungen der Haut, die über Tage bestehen bleiben oder sich ausbreiten, gehören tierärztlich abgeklärt. Pflege ist Pflege – nicht mehr und nicht weniger.
Der Handgriff, der die halbe Pflege spart
Die wirksamste Maßnahme der nassen Jahreszeit ist kein Pflegeprodukt, sondern eine trockene Decke. Ein Pferd, das nach dem Regen unter einer dichten Outdoordecke abtrocknet, macht im Fell, am Huf und an der Haut spürbar weniger Arbeit als eines, das nass in die Nacht geht.
Wer hier nachrüstet, findet die passenden Modelle bei Bucas – irische Decken mit Stay-Dry-Innenfutter, das Feuchtigkeit nach außen transportiert.
FRIDO LOVES IT: entwickelt mit Hufschmied und Tierärztin
Die in diesem Beitrag genannten Pflegeprodukte stammen von FRIDO LOVES IT, einem deutschen Hersteller aus Greifenberg. Die Rezepturen entstanden im Team um die Tierärztin Dr. med. vet. Stefanie Mallmann, gemeinsam mit dem Hufschmied Marcus Wagner. Die Bürsten werden aus Nussbaumholz gefertigt, mit Bronze-, Rosshaar-, Kokos- und Ziegenhaarborsten – Made in Germany.
Das ist der Grund, warum wir die Marke aufgenommen haben: Bei Pflegeprodukten ist die Entwicklungsgeschichte meist der einzige belastbare Unterschied, den es zwischen zwei Flaschen gibt.
Die Pflegeprodukte bei Equinista
Das vollständige Sortiment finden Sie in der Markenkollektion FRIDO LOVES IT. Einen Überblick über alle geführten Pflegeprodukte für Pferd und Leder gibt die Kategorie Pflege.
Sie sind unsicher, was Ihr Pferd in dieser Jahreszeit tatsächlich braucht? Rufen Sie uns an oder kommen Sie in unser Ladengeschäft in Rostock – wir beraten lieber einmal richtig, als dreimal etwas zu verkaufen.